Akne inversa

Mehr als nur unreine Haut

Akne Inversa – wer dabei an gewöhnliche Pickel denkt, täuscht sich: Akne Inversa ist eine äußert schmerzhafte, chronische Hauterkrankung. Bei den Patienten sorgt sie für erhebliche Einschränkungen im Alltag. Das Problem: Viele Ärzte erkennen die Krankheit nicht auf Anhieb.


Sabine Zeh ist 14 Jahre alt, als es anfängt. Mit einer kleinen Stelle unter dem Arm. Harmlos – denkt sie damals. Da ahnt sie noch nicht, dass die Krankheit später ihr Leben bestimmen wird.

“Die erste Entzündung tauchte in der rechten Achselhöhle auf. Dann ging es auf die linke Achselseite über. Da ist mehr oder weniger dasselbe passiert – ein Abszess nach dem anderen kam. Der weitere Befall war dann im Genitalbereich, ebenfalls mit riesigen Abszessen und Entzündungen, die dann operativ saniert wurden. Zurück bleiben große Narben.” 

Wie entsteht Akne Inversa?

Akne Inversa ist eine chronische Erkrankung, die mit normaler Akne oder einem gewöhnlichen Abszess nichts zu tun hat. Bei entsprechender Neigung kommt es in Regionen spezieller Schweißdrüsen an den Haarfollikeln zu Entzündungen unter der Haut. Sie breiten sich aus, schmerzhafte Abszesse entstehen. Dabei kann es zu Fistelgängen kommen. Die Erkrankung tritt vor allem im Bereich großer Beugen wie Achselhöhlen, Leisten, im Genital- und Gesäßbereich auf.

Akne Inversa – keine seltene Krankheit

Wie häufig die Erkrankung ist, ist schwer einzuschätzen, da einige Betroffene aus Scham gar nicht zum Arzt gehen und manche Ärzte die Erkrankung als solche auch nicht erkennen. In Frankreich geht man nach einer Studie von einem Befall von 1 Prozent der Bevölkerung aus. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Frauen im Alter von 20 – 29 Jahren auf. Nach Schätzungen sind hierzulande bis zu 800.000 Menschen betroffen, wobei die Erkrankung unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Akne Inversa – oft ein langer Leidensweg

Für viele Betroffene ist es eine jahrelange Odyssee, bis sie endlich Hilfe bekommen. Auch bei Sabine Zeh war es so. Dass sie Akne Inversa hat, erfuhr sie erst mit Mitte 20

“Wenn man zum wiederholten Male zum Arzt geht, um Abhilfe bittet oder eine Lösung erwartet und eh schon vor Schmerzen nicht mehr aus den Augen schauen kann, und dann noch den Spruch zu hören kriegt – na, dann waschen sie sich mal ordentlich – dann ist man fertig mit der Welt.” 

Der Dermatologe Dr. Kunte hat die Patientin vor Jahren operiert. Er kennt den langen Leidensweg, den viele Akne-Inversa-Patienten hinter sich haben.

“Der Verlauf des Krankheitsbildes von Frau Zeh ist sehr typisch. Die Knoten werden häufig als Abszesse verkannt. Es liegt vielleicht auch daran, dass die Erkrankung in ihrer Ursache nicht so genau bekannt ist. Was man weiß ist, dass die Genetik eine Rolle zu spielen scheint.” Dr. med. Christian Kunte, Oberarzt, Dermatologie, LMU München

Risikofaktoren

Studien zufolge gehören Rauchen und Übergewicht zu den Risikofaktoren. Auch Hormone oder Stress können auf das Geschehen Einfluss nehmen. Inwieweit all diese Faktoren eine Rolle spielen, ist bis heute nicht vollständig geklärt.

In einigen Studien wurde auch eine prämenstruelle Verschlechterung beschrieben, sodass davon auszugehen ist, dass männliche Hormone hier verschlechternd wirken können.

Behandlung

Die Behandlung der Akne Inversa hängt vom Schwergrad der Erkrankung ab. Bei sehr leichten Formen der Akne Inversa (Hurley Stadium I) sind Grundmaßnahmen zu empfehlen, die einen positiven Effekt haben können wie:

Grundmaßnahmen:

  • enge Kleidung vermeiden
  • Gewicht normalisieren
  • Nikotinabstinenz
  • Trimmen der Haare mit dem elektrischen Haarschneider – keine Nassrasur, weil eine Nassrasur zu zusätzlicher Reizung führt.
  • Waschen mit desinfizierenden Lösungen
  • Schweißbildung vermeiden – gegebenenfalls auf Sport verzichten

Wenn all das keinen Effekt hat, wird eine antibiotische Behandlung empfohlen.

Bei manchen Menschen wird die Akne Inversa nicht schlimmer. Bei den meisten jedoch “wandert” die Krankheit – wie bei Sabine Zeh. Im fortgeschrittenen Stadium (Ärzte sprechen von Hurley, Stadium II und III) muss meist operiert werden. Dabei geht es darum, die erkrankten Areale vollständige zu entfernen.

Bei kleinerem Befall können die Defekte wieder vernäht werden, bei größeren Defekten muss gelegentlich Haut transplantiert werden. Alternativ kommt eine sekundäre Wundheilung in Betracht, das heißt, die Stellen heilen von selbst wieder zu. Das kann für den Patienten sehr zeit- und pflegeaufwendig sei.

Heilbar ist die Krankheit bis heute nicht. Nach einer OP müssen die Patienten mit den Narben leben.

“Es ist besonders wichtig, möglichst früh zum Arzt zu gehen. Denn die Akne Inversa kann ganze Hautareale – also ganze Achselhöhlen, das Gesäß, die Leisten – wirklich zerstören.” Dr. med. Christian Kunte, Oberarzt, Dermatologie, LMU München

Stressfaktor Akne Inversa

Im Alltag sorgt die Krankheit ständig für Stress: Etwa drei bis fünf Mal mal im Monat leidet Sabine Zeh unter einem akuten Abszess, an Stellen wo sie noch nicht operiert ist.

Enge Hosen sind für die 41-Jährige unvorstellbar. Wenn sie akute Symptome hat, baut sie sich Einlagen, für den Fall, dass ein Abszess unerwartet platzt. Normale Unterwäsche kann sie nicht tragen, schon die Naht am Rand würde schmerzen. Lange sitzen kann die Sachbearbeiterin nur auf einem Spezialkissen, zu groß sind die Schmerzen.

Aufgrund der Narben trauen sich viele Betroffene nicht, zum Schwimmen zu gehen. Für die meisten Betroffenen ist all das mindestens genau so belastend wie der körperliche Schmerz.

“Die Betroffenen erleben oftmals den austretenden Eiter, die chronischen Entzündungen, die Schmerzen und den oftmals damit verbundenen Geruch als extrem störend und ziehen sich sozial zurück. Bei Befall der Leisten und des Gesäßes entziehen sich viele auch ihren Partnern, da sie sich für den Hautzustand schämen.” Dr. med. Christian Kunte, Oberarzt, Dermatologie, LMU München

“Du gehst nicht ins Kino, du triffst dich nicht zum Schwimmen, Du triffst dich nicht mit Freunden. Du bist froh, wenn Du deine Tür zu machst und hoffst, dass es vorbeigeht.” Sabine Zeh

Neben den Schmerzen kämpfen viele Patienten immer wieder um Verständnis – bei Ämtern oder beim Arbeitgeber. Inzwischen haben die Behörden anerkannt, dass Sabine Zeh zu 50 Prozent schwerbeschädigt ist.

Inzwischen engagiert sich Sabine Zeh bei einer Selbsthilfegruppe. Gemeinsam mit anderen Betroffenen hat sie ein Ziel: Die Krankheit öffentlicher und bekannter zu machen.

 

Adresse der Quelle:

www.daserste.de/information/ratgeber-service/gesundheit/sendung/br/akne-inversa-100.html

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