Fettsucht, Diabetes und Depression – So krank sind die Deutschen

Zwar sind heute mehr Deutsche sportlich aktiv als 1998 – trotzdem werden die Bundesbürger immer dicker und depressiver. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erste Ergebnisse seiner großen Gesundheitsstudie Degs vorgestellt.
 
Fast ein Viertel der deutschen Erwachsenen ist inzwischen stark übergewichtig – und das, obwohl immer mehr Sport treiben. Dieses bedrückende Bild fördert die erste große „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (Degs) seit dem Bundesgesundheitssurvey (BGS) 1998 zutage. Die ausführliche Auswertung der Degs-Daten von über 7000 Personen dauert noch bis 2013 an, doch auch die vorläufigen Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache.

Der Anteil Übergewichtiger stagniert seit Jahren auf sehr hohem Niveau: 67,1 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen sind zu dick. Was die krankhafter Fettsucht (Adipositas) betrifft, beobachteten die Degs-Forscher hingegen einen deutlichen Anstieg – unter den Männern um 4,4 Prozent auf 23,3 Prozentpunkte, unter den Frauen um 1,4 auf jetzt 23,9 Prozent. „Besorgniserregend ist, dass sich die Gruppe der Adipösen insbesondere im jungen Erwachsenenalter weiter vergrößert hat“, sagte Bärbel-Maria Kurth, die im RKI die Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung leitet. Entsprechend ist Diabetes auf dem Vormarsch: Insgesamt 7,2 Prozent leiden an der Zuckerkrankheit, zwei Prozent mehr als noch zum BGS 1998.

Depression und Burnout belasten viele Deutsche

Um die seelische Gesundheit der Deutschen scheint es ebenfalls nicht zum Besten zu stehen: Fast jeder vierte Mann und etwa jede dritte Frau gaben an, zumindest zeitweise unter ausgeprägten psychischen Störungen gelitten zu haben. Depressionen sind dabei, genau wie Übergewicht, vor allem bei Menschen aus niedrigen Bildungs- und Einkommensschichten verbreitet. 8,1 Prozent der Degs-Befragten berichteten von Symptomen einer Depression zur Zeit der Erhebung, 1,5 Prozent gaben an, dass ein Arzt oder Psychotherapeut ihnen in den letzten zwölf Monaten ein Burnout-Syndrom diagnostiziert hat.

Einziger Hoffnungsschimmer: Laut Degs-Ergebnissen betätigen sich immerhin 51,7 Prozent der Männer und 49,5 Prozent der Frauen mindestens einmal pro Woche sportlich. Der Anteil der Aktiven ist damit seit dem BGS 1998 deutlich gestiegen – um rund 14 Prozentpunkte unter den Männern und um 16 Prozentpunkte unter den Frauen.

Deutsche unterschreiten Mindestdauer körperlicher Aktivität

Und das ist gut so, schließlich belegen die Degs-Daten auch, dass regelmäßige körperliche Aktivität, egal in welchem Alter, einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden hat. Allerdings erreicht nur ein Viertel der Männer und 15,5 Porzent der Frauen die von der WHO empfohlene Mindestdauer körperlicher Aktivität. Sie beträgt 2,5 Stunden pro Woche.

Das RKI untersuchte zwischen November 2008 und Januar 2012 insgesamt 7328 Deutsche zwischen 18 und 91 Jahren. An der Kernstudie nahmen 7124 Personen von 18 bis 79 Jahren teil, sie liefert die Daten für Querschnittsanalysen. Die Zahlen wurden aus Befragungen sowie Labortests wie Blut- und Urinproben gewonnen. Über 64-jährige Probanden unterzogen sich zusätzlich körperlichen Tests, um ihren Gesundheitszustand zu bestimmen. Knapp die Hälfte der Probanden nahm schon am Bundesgesundheitssurvey (BGS) teil. Das gewährleistet eine gute Vergleichbarkeit der beiden großen Untersuchungen.

Artikel-Quelle: http://www.focus.de

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